Bericht über die Adlerbeobachtung

Steinadler-Beobachtung im Revier Hochries / Geigelstein am 25.04.2018

Mit dem Gleitschirm in der Luft und gemeinsam mit einem Adler in der Thermik kreisen ist schon ein nachhaltiges Erlebnis und passiert nur, wenn sich diese imposanten Greifvögel dauerhaft in ihrem Revier ansiedeln und wohlfühlen.

Bereits seit 5 Jahren arbeiten wir als Gleitschirmclub mit dem Nationalpark Berchtesgaden zusammen und wollen auch langfristig damit den Gleitschirmsport mit dem Naturschutz verbinden.

Langfristig wollen wir dann selbst brutanzeigende Verhaltensweisen der Steinadler im Revier Hochries / Geigelstein (Revier HG) dokumentieren und den Nationalpark Berchtesgaden mit dieser Kooperation unterstützen.

Nun ging es in die nächste Runde und wir begleiteten Ulrich Brendel, den stellvertretenden Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, und sein Adler-Team bei einer Beobachtungstour.

Um 10 Uhr trafen sich das Adlerteam des Nationalparks mit Vertretern und Mitgliedern des GSC Hochries und des Drachen- & Gleitschirmclub Aschau Kampenwand e.V. am Wanderparkplatz Grattenbach. Von dort aus ging es auf einem kleinen teils steinigen Waldpfad auf den Schachenberg.

Auf der Wiese neben dem Gipfelkreuz wurden die Stative aufgebaut und wir warteten auf die Adler.

Ulrich Brendel erzählte uns in der Zwischenzeit viel Wissenswertes. Das Adlerprojekt gibt es seit 25 Jahren, ursprünglich war es ein Forschungsprojekt, mittlerweile wird aufgrund der dadurch gewonnenen Erkenntnisse versucht, die Adlerpopulation zu schützen und das Wissen darüber weiter zu vermitteln, z. B. durch Zusammenarbeit mit Gleitschirmclubs mit Infos über Nistplätze. Er hebt in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit dem GSC Hochries hervor. Ziel dieser Kooperation ist die eigenverantwortliche Übernahme des Adlerschutzes durch den GSC Hochries.

Im Frühjahr erfolgt die Bestandsaufnahme (haben beide Altvögel überlebt?), Beobachtung von Balz und Brutbereitschaft. Wenn bis Mitte Mai nicht mit der Brut begonnen wurde, ist in dem Jahr auch keine mehr zu erwarten. Der Adler jagt oben, sucht sich leichte Thermik, um nach oben zu kommen (um Energie zu sparen) und hat die Brutplätze weiter unten in Felswänden (auf helle Felsbereiche achten, diese werden weniger angeregnet und sind daher bevorzugte Brutplätze), Baumhorste haben nur einen Anteil von 5%.

Girlandenflug

Der sogenannte Girlandenflug ist im Bereich vor Felswänden oder Baumhorsten problematisch, damit zeigt der Adler, dass er sein Revier verteidigt. In diesem Fall ist es wichtig, dass sich der Gleitschirmpilot defensiv verhält, abdreht und den Bereich schnellstmöglich verlässt. Bekannte Nistplätze sollte man meiden. Aktuelle Flugverbotszonen im Bereich des Nationalpark findet man hier
> http://www.nationalpark-berchtesgaden.bayern.de/nationalpark/forschung/umweltbeobachtung/steinadler/index.htm

Um 12 Uhr war es dann endlich so weit: ein Adler dreht in der Thermik über dem Gebiet Tauron/Aschentaler Wände auf, Besonderheiten in Zeichnung und Gefieder werden vom Adlerteam festgehalten, es handelt sich nicht um einen Jungvogel.

Er zeigt den Girlandenflug zur Markierung seines Reviers und verschwindet dann in Richtung Kampenwand. Aufgrund dieses Verhaltens besteht laut Ulrich Brendel Brutverdacht.

Um 12:40 Uhr taucht ein Adler über der Klausen auf, fliegt in Richtung Spitzstein und verschwindet dort hinter dem Grat.

Um 13 Uhr drehen die zwei Adler zusammen über der Klausen, sie sind unterschiedlich groß und zeigen beide den Girlandenflug,  anschließend queren sie das Tal in Richtung Kampenwand.

Das lässt darauf schließen, dass es sich um ein Paar handelt und es keine Jungvögel sind.

Ulich Brendel fasst zusammen, dass es sich im Revier Hochries/Geigelstein um ein Adlerpaar handelt, es im Gebiet westlich des Prientals wohl derzeit keine Brut gibt, östlich davon ist eine Brut nicht auszuschließen, im Berich des Mühlhörndls finden sich derzeit keine Hinweise auf ein belegtes Nest.

Vielen Dank an Ulrich Brendel und seinem Adlerteam für den interessanten und informativen Tag!

Wer sich an diesem Projekt beteiligen oder einfach auch nur etwas hinzulernen möchte bei gelegentlichen Treffen, kann sich gern melden unter: info@gsc-hochries.de

 

21. Mai, 2018|Categories: Fluggebiet|Tags: |